So macht die Zürcher Konkurrenz Starbucks das Leben schwer – Tages-Anzeiger

Kaffee hat sich zum Liebhabergetränk gemausert. In Zürich geht der Trend in Richtung kleine Spezialitätencafés.

Starbucks schliesst zwei Filialen in den Kreisen 6 und 11. Über die Gründe schweigt das Unternehmen. Sicher ist: Die Konkurrenz von Starbucks in der Stadt Zürich ist stärker geworden. «In den letzten zehn Jahren ist eine sehr diverse und reichhaltige Café-Szene entstanden», sagt Julian Graf, Geschäftsführer beim Branchenverband Cafetiers Suisse. Und mit dem Angebot habe sich auch der Anspruch der Konsumenten verändert. Heute sei das Qualitätsbewusstsein bei vielen gestiegen und das Wissen über Kaffee gewachsen, sagt Graf.

Das bestätigt Heini Schwarzenbach, Geschäftsführer des gleichnamigen Spezialitätenladens und Cafés in der Altstadt. «Schon vor 20 Jahren gab es Cafés wie das Henrici, das auf Qualität setzte, doch seither sind viele weitere entstanden», sagt er. Er nennt etwa das La Stanza am Schanzengraben, aber auch die expandierende Zürcher Firma Vicafé. Diese setzt voll auf Kaffee zum Mitnehmen, mit hoher Qualität und zu moderaten Preisen. Mit Erfolg: Am Morgen bilden sich regelmässig lange Schlangen vor den Ausgabefenstern der sieben Zürcher Standorte.

«Ein Café mit schönem Ambiente, in dem man sich zu Hause fühlen kann, gibt’s heute an vielen Orten in der Stadt.»Heini Schwarzenbach, Café Schwarzenbach

Das Starbucks-Gefühl sei nicht mehr exklusiv, sagt Schwarzenbach. «Ein Café mit schönem Ambiente, in dem man sich auch über längere Zeit aufhalten und zu Hause fühlen kann, gibts heute an vielen Orten in der Stadt.»

Starbucks habe Kaffee zum Lifestyle-Produkt gemacht, hält Shem Leupin dem Multi zugute. Er röstet den Kaffee bei der Zürcher Firma Stoll und ist Mitinhaber des Coffee im Kreis 4. Doch der Inhalt des Lifestyle-Produkts könne sich verschieben, sagt Leupin. Der Trend gehe in Richtung der sogenannten Specialty Coffee.

«Immer weniger interessieren sich für den süssen XXL-Kaffee mit Caramel.»Shem Leupin, Kaffeeröster und Mitinhaber «Coffee»

Zürcher Vorreiter seien kleine Cafés wie das Mame, das Miro oder Le Raymond, aber auch das Café Auer im Impact Hub. Die Nähe zur Start-up-Szene ist nicht zufällig. Die neuen Kaffeeliebhaber seien häufig jung, sehr urban und kosmopolitisch, sagt Leupin. «Immer weniger interessieren sich für den süssen XXL-Kaffee mit Caramel», sagt er mit Blick auf das Starbucks-Angebot. Doch auch dieses könne sich wandeln.

Der Konzern versucht heute seinerseits, Spezialitätenkaffees zu kopieren und hat dafür einen eigenen Brand entwickelt: Starbucks Reserve. Leupi: «Ich bin gespannt, ob Starbucks damit in Zürich versucht, ein anderes Gästesegment anzusprechen – aber ich glaube, das wird noch länger nicht passieren.»

Erstellt: 28.08.2019, 07:13 Uhr